was macht man, wenn man einfach zu blöd zum Autofahren ist?
man kauft einen Mercedes und lässt ihn im Landkreis Winnenden, ähm Waiblingen zu


Ground Zero

es ist Donnerstag, der 15 Oktober 2009 21.05 Uhr
und einer der schwärzesten Augenblicke meines Lebens
möglicherweise stehe ich, nein…: definitiv stehe ich dem Glück anderer Menschen im Weg,
und möglicherweise deswegen, weil ich meinem eigenen im Weg stehe.
es ist, ich muss da etwas weiter ausholen, etwa viereinhalb Jahre her, als ich in ähnlich mieser Stimmung in Wien (zum Kotzen, diese Stadt!) einer Frau begegnete, die sich Sabrina nannte und die von sich selbst sagte, sie sei Hellseherin und ihre innere Stimme habe sie an diesen Ort befohlen, ihrer augenblickenden Eingabe nach, um mir zu begegnen.
Nun, ein Seher bin ich selber, wenngleich eigenen Erachtens nach ein eher mässig talentierter. Ich kenne Menschen, die haben als Seher und Magier einiges mehr auf dem Kasten. Zumindest aber ist mir dieses Gebiet nicht fremd.
Das sagte ich auch Sabrina, die mir entgegnete, ich habe drei Sterne auf der Stirn, was mich als Glückskind markieren würde. Allerdings wäre ich am falschen Ort, ich sei davon gelaufen, letztlich vor mir selbst, und nun stünde ich mir auch selbst im Weg, meine Zeichnung brächte mir gar nichts, und es bedürfe auch nicht der Fähigkeit des Sehens um zu bemerken, dass ich recht unglücklich sei.
Ich wusste in diesem Moment nicht, was ich davon halten sollte. Weder konnte ich mir die Frage beantworten, ob ich nach Hilfe gerufen hatte, noch verwerfen, was sie sagte.
Sie fuhr fort, ich stünde zwischen zwei Frauen und sei hin und her gerissen, unfähig mich zu entscheiden.
Ob sie sagen könne, welche zwei Frauen, fragte ich sie, doch sie lächelte nur. Das wisse ich schon selber.
Wusste ich nicht. Spontan dachte ich an Antje. Sie auf jeden Fall. Ich fragte mich, ob die andere Melitta sei, konnte dem Gedanken aber nichts abgewinnen. Manche Dinge enden einfach, auch wenn sie einmal unendlich erschienen, so ist das Leben eben.
Sabrina bot mir an, zu helfen. Sie wolle ein Wasser magnetisieren, das mir helfen würde.
Also gingen wir in ein Cafe, wo sie weiter erklärte, ich sei zwar ein Kind des Glücks, aber meine Seele hätte bereits schwarze Flecken. Ich verspürte den Impuls, sie an der Gurgel zu packen und gegen die nächste Wand zu pressen. Seither habe ich schon viele Male bedauert, das nicht getan zu haben.

Ich kann beim besten Willen nicht sagen, ob Sabrina eine Seherin war oder eine Betrügerin.
Als magischer Mensch allerdings kann ich sagen, dass die Vorsehung auch Betrüger einsetzt, und das die feisteste ihrer Lügen die tiefste Wahrheit sein kann. Das schließt einander nicht aus.

Nun, sie magnetisierte das Wasser, und ich trank es. Anschließend verlangte sie Geld für ihre Dienste. Ich hab keine Ahnung mehr, was ich ihr geben wollte. Ich hatte nur noch knapp 100 Euro, ich hab versucht ihr was zu geben, was meinen Interessen vertretbar erschien. Ihren war das nicht vertretbar, schließlich gab ich ihr 80 Euro, und seither habe ich sie nie wieder gesehen. Zu ihrem Glück. Begegnete sie mir noch ein mal, ich würde ihr an die Gurgel gehen.

Das Wasser tat seine Wirkung. Kann man annehmen. Auf jeden Fall tat die Frage nach den 2 Frauen ihre Wirkung.
Damit hat alles angefangen. Auf eine zweite Frau war ich zwar nicht gekommen, aber mir wurde überdeutlich klar, dass mein Herz immer noch an Antje hing. Und irgendwie und gleichzeitig neigte sich auch mein Exil dem Ende zu. Die erz-katholische Ex-Frau des Freundes, in dessen Wohnung ich Zuflucht gefunden hatte, reklamierte die Wohnung für ihre Kinder. Sie warf mir vor, als Dichter per se ein assoziales Wesen zu sein, und speziell mir, das Glück ihrer Familie zu zerstören. Außerdem sei mein Vater mit dem Teufel im Bunde.
Das ist natürlich Blödsinn. Bekanntlich ist der Teufel mit der katholischen Kirche im Bunde, und mein Vater mag vieles sein, aber definitiv kein Katholik. Wenn überhaupt, ist er er Christ, und davon gibt’s in der katholischen Kirche so viele, wie Kamele durch ein Nadelöhr passen.
Das ist natürlich etwas überspitzt formuliert, aber auch nur ein Nebenschauplatz.
Auf jeden Fall war meine Wiener Zeit zu Ende, ich wurde zurück geworfen in meine Heimat, zurück geworfen in eine unglückliche Verliebtheit und zurück geworfen auf meine Fähigkeit über den physikalischen Raum hinaus zu tun und zu sehen.
Mithilfe dieser Fähigkeit versuchte ich Antje herum zu kriegen. Genau gesagt, ich versuchte, sie zu einem Kuss zu bewegen. Und damit habe ich sie fast umgebracht.
Wenn ich darüber nachdenke, könnte ich immer noch staunen. Meinen ersten Sex hatte ich genau so in die Wege geleitet, und vieles, weit harmloseres auch, aber sie hätte das fast getötet.
Überredungen das zu lassen, brauchte ich danach nicht mehr. Ich hatte zwar kein schlechtes Gewissen, aber ich liebte sie, und das, was mir noch ferner lag als das letzte war, ihr Schaden zufügen.
Die Zeit bis in die Gegenwart überspring ich jetzt einfach mal, bis zu dem Punkt, da ich mich wirklich zwischen zwei Frauen wieder fand.
Sabrina… ich würde Dich anlachen. Irgendwo hast Du irgendwie Recht behalten. Ich würde Dich anlachen deswegen. Und dann würde ich Dich am Hals packen.
Und jetzt, da mir die Kraft fehlt, hier noch viel zu erklären, springe ich gleich weiter.
Mir schwante bereits, was passieren würde, als Antje mir eröffnete, sie werde Herri verlassen. Tja, nun… das Herri nicht wirklich der Richtige war, war mir von Anfang an klar, aber sie glaubte, glücklich mit ihm sein zu können. Und ich hätte es ihr so gegönnt. Ich habe es ihr gewünscht, und ich hab immer wieder versucht diese Beziehung zu bestärken. Zum einen, weil ich wollte, dass sie glücklich ist, zum nächsten, weil ich den Verdacht hege, ihn in einem vergangenem Leben, als ich ihr Vater war, umbringen zu lassen, und zum letzten, weil er für mich eine Grenze war. Die Grenze, mich nicht wieder in sie zu verlieben.
Und ich hätte ihr auch Marcel gegönnt, nein… ich habe ihn ihr gewünscht. Und beschlossen, ihr dabei zu helfen, ihn zu kriegen. Aus Liebe. Er wäre, tja nun, der richtige? Keine Ahnung, aber er wäre auf jeden Fall richtiger. Und er ist echt süß. Ich kann sie gut verstehen. Wäre ich eine Frau, er würde mir auch gefallen. Und auch als ihr Partner würde er mir gefallen, er wäre einer, mit dem ich gut zurecht käme, ich kann ihn sehr gut leiden. Nein. Ich mag ihn.
Und ich liebe sie, und ihr Glück bedeutet mir sehr viel. Mehr vielleicht als mein eigenes.
Aber dieser Marcel kriegt es nicht gebacken. Okay, er hat schon eine Freundin, aber die haben auch so ihre Probleme. Seine Freundin betrügt ihn möglicherweise mit seinem besten Freund.
Alles in allem sehr kompliziert.
Nichts woraus sich Dynamik entwickelt, eher ein Drama.
Und sie kriegt es auch nicht gebacken. Ob das auf eine mir verborgene Art und Weise an mir liegt? Je ne sais plus. Im Großen und Ganzen habe ich mich in dieser Hinsicht makellos verhalten. Ich konnte nicht viel für beiden tun, mir fiel nicht gerade viel ein, das ich hätte tun können, aber ich habe nicht unterschwellig dagegen gearbeitet. Ich habe mich deswegen sehr eingehend gefragt, und kann diese Frage eindeutig mit Nein beantworten. Oder Jein, denn ein mal, ein einziges Mal habe ich ihn in Gedanken gebeten, sich erst einmal um seine Beziehung zu kümmern, und Antje mir zu lassen. Wesentlich öfter und eindringlicher habe ich ihn allerdings gebeten, sich endlich ein Herz zu fassen, und sich auf sie einzulassen.
Jetzt, in diesem Augenblick, zwei Tage nachdem ich mich von meiner besten Freundin, meiner Schwester und der Frau, die ich absichtslos liebe und in die ich doch verliebt war getrennt habe, zweifle ich nicht daran, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis die zwei doch noch zueinander finden.
Und ich wünsche es ihnen, ihnen beiden.
Und ich weiß, dass ich in diesem Spiel ein blockierendes Rädchen war. Unter vielen blockierenden Rädern.
Ich fühle mich nicht schuldig deswegen. Ich habe geliebt und habe mich verliebt, aber was ich wollte, war von Anfang an, dass alle glücklich werden.
Dass die ganze Sache gut ausgeht.
Aber ich weiß auch, dass ich schuldig bin. Wie ein Tropfen Altöl im Schwimmbad. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass man die Schuld, dass es bisher nicht geklappt hat, oder vielleicht auch nie klappen wird, bei mir verorten wird. So ähnlich war es damals in Hardt auch, als Verena, die als einzige dort wusste, dass ich in Antje verliebt war, und mit der ich oft darüber sprach, mir diese Verliebtheit zum Vorwurf machte.
Mea Culpa, ich habe mich verliebt.
Und ich verliere meine beste Freundin deswegen, den einzigen Menschen, mit dem ich wirklich je reden konnte.
Vielleicht werde ich an jedem 13ten jeden Oktobers eine Rose in den Himmel werfen. Vielleicht auch nicht, vielleicht ist das zu dramatisch. ich weiß es nicht, ich fühle mich zerstört.
Und schuldig. Wirklich schuldig, denn ich habe eine Freundin. Oder hatte.
Und ich habe sie verletzt mit dieser Verliebtheit. In den letzten Monaten ist sie richtig aufgeblüht. So sehr, dass ich staune. In einem gewaltigen Entwicklungssprung, so mächtig, dass es mindesten zwei Sprünge waren, hat sie sich von den Fesseln einer alptraumhaften Vergangenheit befreit. Ich weiß nicht, ob man auf so etwas stolz sein kann, auf etwas, das ein anderer vollbringt, aber bewundern kann man es wohl. Und ich bewundere das.
Und ‘danke’ es ihr dadurch, dass ich mich in eine andere verliebe.
Ich bin ein Scheißkerl. Nicht dass ich absichtlich anderer Menschen Leben zu vermiesen trachte, eher im Gegenteil. Im Grunde meines Herzens wünsche ich jedem Gutes. Und ich brauche mich nicht zu bemühen, jedes Wesen zu lieben, ich muss es nur zulassen.
Aber ganz offen sichtlich bin ich, umgekehrt nach Goethe, ein Teil von jener Kraft, die stets das Gute will, und stets das Böse schafft.
Ich bin ein Scheißkerl. Und ich bin definitiv nicht der, der ich sein will. Na ja, dem wäre das vielleicht auch passiert. Wahrscheinlich aber eher nicht.
Das letzte Mal, als wir uns sahen, Antje und ich, hob ich eines ihrer Tarotdecks ab. Die Karte mit dem Typen, der von Dutzenden Schwertern durchbohrt am Boden liegt. Das bin ich. Der Scheißkerl.
Aber noch lebe ich. Ich bin zerstört und am Boden, aber ich lebe. Und solange ich lebe, gebe ich mich nicht auf.
Auch wenn ich ein Scheißkerl bin. Ich bleibe ein Mensch auf dem mystischen Weg.
VIVO
Und mit jedem Schritt schwinde ich, jener aber wird.


die Sterne vom Himmel holen, und durch Blumen ersetzen…


ein mühsames und langes Rennen auf glatten, vereisten Straßen, ich lande auf dem zweiten Platz, aber die Richter übersehen meinen Wagen


einatmen, ausatmen
kommen und gehen
bleiben und verschwinden
neu entstehen